Wie schmeckt Daheim?

Gerade wurde ich zum Thanksgiving-Dinner eingeladen – schon das dritte Jahr in Folge.

In meinem Freundeskreis hier in Stuttgart kommen alle aus den verschiedensten Himmelsrichtungen. Und was das mit sich bringt, ist eine umwerfende Gastfreundschaft und eine Vielzahl an Köstlichkeiten, die aufgetischt werden. Wenn ich an das üppige Thanksgiving-Dinner von letztem Jahr denke, läuft mir jedenfalls das Wasser im Mund zusammen.

»Ich liebe es, meine Liebe durch Essen zu zeigen«, höre ich. 
Meine Antwort: »Und ich lieb’s, Liebe durch Essen zu empfangen!«

Ein andermal gab’s spanische Paella im Hinterhof, es gab Fastenbrechen im Ramadan und einen Maultaschenkurs bei einer schwäbischen Oma … oder ägyptisches Frühstück an einem gemütlichen Sonntagmorgen: Fladenbrot mit Foul (Bohnen), Ei mit Pastirma, Mish (einem uralten Gammelkäse, der mit Tomaten und Tahini zusammen unfassbar gut schmeckt) und Feteer (Blätterteiggebäck) mit einer Mischung aus schwarzem Honig und Tahini zum Dippen.

Gerade lese ich auch das Buch ›Namesake‹ von Nuzha Nuseibeh, einer in Großbritannien lebenden palästinensischen Autorin. Sie erzählt, wie das Essen ihrer Kindheit noch wichtiger wurde, als sie zum Studieren weit weg zog. Essen als wichtiger Teil ihrer Identität. Teil ihrer Geschichte, mit der ganz viele Erinnerungen verknüpft sind. 
Essen als Zuhause.

Auch in meiner Familie war das gemeinsame Essen ein wichtiger Bestandteil des Tages. Oft wurde schon beim Frühstück darüber diskutiert, was es später geben würde. Zusammenkommen und sich vom Tag erzählen. Über 45 Pasta-Gerichte werden regelmäßig im Hause Mainetti aufgetischt, dazu Musik von Pino Daniele, Adriano Celentano, Lucio Dalla … Man merkt die Liebe zu Italien.
Aufgestanden wird erst, wenn alle fertig sind.

Neben Nudeln sind es vor allem die einfachen Gerichte, die mir von früher im Kopf geblieben sind. Ich erinnere mich daran, dass ich Mama bei den Blätterteigschnecken geholfen hab – mit Käse, Schinken und Ei. Und ich erinnere mich an Heidelbeernocken mit selbst gesammelten Heidelbeeren. Ein Rezept meiner Uroma aus Tirol. 

Nuseibehs Gedanke hat mich zum Nachdenken gebracht: Was bedeutet für mich kulinarische Heimat? Wozu lade ich meinen Freundeskreis ein?

»Kässpätzle«, sagt da die Vorarlbergerin in mir. (Genauer gesagt, Knöpfle.) Und so freu ich mich immer, wenn ich mit Bergkäs im Gepäck von Bregenz zurück nach Stuttgart düse und weiß, dass ich sie demnächst in meiner hölzernen Gepse vom Küfer aus Hittisau servieren werde.

Und schließlich ist da noch die Linzertorte. Oma hat sie gebacken und zu Festtagen wurden alle in der Verwandtschaft damit beschenkt. Als ich eine Zeit lang in Amerika gearbeitet hatte, kam ein Paket für mich an. Ich konnte kaum glauben, was drin war. Eine Linzertorte. Von Oma aus Bregenz. Wie daheim.

Heuer hab ich zum ersten Mal versucht, ihre Linzertorte nachzubacken. Sie ist ganz passabel geworden. Aber natürlich nicht wie das Original.

Welches Essen schmeckt für dich nach Daheim?
Ich finde, du solltest es mal wieder kochen! Und wer weiß, vielleicht taucht mit dem ersten Bissen der ein oder andere Erinnerungsschnipsel wieder auf. 

Herzliche Grüße
Clara

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