Pastellfarben werden nicht überbewertet
letztes Wochenende bin ich der Hitze im Stuttgarter Kessel entflohen – an den Bodensee. Der Ort, der lange Zeit der Inbegriff von Heimat für mich war.
Kurz vor Sonnenuntergang leuchtet das Wasser heller als den ganzen Tag über. Es changiert in hellblau, gelb, orange und rosa. Nein, Pastellfarben werden nicht überbewertet.
Ich tauche ein. Kühle umgibt mich. Schwimme raus, der Feuerkugel entgegen, die in wenigen Minuten hinter den Wellen untergegangen sein wird.
Wenn ich mich umdrehe: eine ganz andere Kulisse. Der See dunkel, mittelblau bis smaragdgrün. Dahinter die Bregenzer Bucht, eingerahmt vom Pfänder. Der Mond schon überm Berg.
Weit draußen plätschert das Wasser ruhig um mich und ich beobachte die Bläschen, die bei jedem Armschlag entstehen. Und auf einmal tauchen Erinnerungen auf von den unzähligen Stunden, die ich am und im See verbracht habe. Als hätte das Wasser sie die ganze Zeit über aufbewahrt.
An einen Sommer. Ich war acht oder neun. Fast jeden Tag trafen wir uns an der Pipeline – an den „besten Koordinaten". Drei Familien. Meine Volksschulliebe mit dabei.
Wenn es dunkel wurde, fing das Abenteuer erst richtig an. Denn wenn das Wasser um Mitternacht mystisch schwarz vor uns lag, sprangen wir alle nochmal splitternackt in den See. Dabei mussten wir natürlich aufpassen, dass die Aale nicht an uns knabberten – sie sind schließlich nachtaktiv. Verbotenerweise schwammen wir rein in die Mili, das Badehäuschen, und sprangen vom Sprungbrett ins Wasser. „Schau mal! Ein UFO!", rufst du aufgeregt. Und wir beide schauen wie gebannt in den Nachthimmel. Niemand hat uns geglaubt – typisch Erwachsene …
Das alles ist da, während ich durchs Wasser gleite. Die Wellen wiegen mich sanft in dieser Erinnerung.
Obwohl ich vor vielen Jahren weggezogen bin, sind meine Geschichten geblieben. Sie warten nicht nur am See – sondern überall dort, wo ich einmal war.
Vielleicht hast du auch so einen Ort.
Herzliche Grüße
Clara