Geburtstagsgruß

Tuschezeichnung von einer faltigen Hand

Faltenwurf. Tusche auf Papier, 2015

Heute wär ihr 102. Geburtstag. 

An ihrem Festtag kam immer die ganze Verwandtschaft zusammen: Vier Kinder, acht Enkel, vier Urenkel, Partner und Partnerinnen. Dann wurde gegrillt, gegessen, gespielt, gesungen …

Wenn ich an Oma zurückdenke, kommen mir oft ihre Hände in den Sinn.

An ihrem letzten Silvester saß ich neben ihr. Immer wieder nahm ich ihre Hand, streichelte sie behutsam, und spürte ihre dünne Haut. Als wir Kinder waren, zwickte sie ab und zu mit Daumen und Zeigefinger in ihren Handrücken. Eine große Hautfalte blieb stehen. Wie ein kleiner Berg, der zurückblieb. Es faszinierte mich. Ich liebte ihre Hände immer schon. 

Oft schwang bei der Verabschiedung ein bisschen Wehmut mit. An den Abschied an jenem Abend kann ich mich kaum noch erinnern. Wir haben uns bestimmt innig umarmt. 

Ich hatte keine Ahnung, dass es das letzte Mal sein würde. 

Beim Schreiben verschwimmen die Zeilen vor mir. Da ist die Traurigkeit darüber, dass dieser Mensch nicht mehr da ist. Und gleichzeitig ist da so viel Dankbarkeit. Für die gemeinsame Zeit. Und für die Berührungen, die bis heute geblieben sind.

Ich muss lächeln.

Alles Gute zum Geburtstag, Oma.

Herzliche Grüße
Clara

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Wenn die Tiefe ruft