Freitagssüßigkeit

Selbst gebackenes Vochazer-Törtle auf einem Teller

Denkst du auch zuerst an Jahreszahlen und Fakten, wenn du „Lebensgeschichte“ hörst? Wann und wo geboren? Wann geheiratet? Wieviele Geschwister?

Aber je mehr ich mich mit Erinnerungen beschäftige, desto klarer wird mir: Es sind nicht diese Fakten, die uns was bedeuten. Es sind einzelne Erinnerungs-Schnipsel – oft unzusammenhängend und scheinbar banal. Genau diese Momentaufnahmen machen unsere Erzählung lebendig.

Zum Beispiel der „Vochazer“ – das V wie ein F ausgesprochen – für mich damals die beste Bäckerei in Bregenz und nur einen Katzensprung vom Kindergarten entfernt. Jeden Freitag, wenn uns meine Mama dort abgeholt hat, haben wir einen Schlenker zum Vochi gemacht. Das schöne Eckhaus unterhalb der Oberstadt, kleine Kinderfüße über die paar Treppenstufen hoch, der Duft nach frischem Gebäck. Und der große, liebenswürdige Mann mit den grauen Haaren hinterm Tresen, der unsere Namen selbstverständlich kannte.
Dort durften wir uns eine Kleinigkeit aussuchen: Ein Kokosbusserl, ein Linzerauge – oder eben auch ein kleines Vochazer-Törtle, die Spezialität des Hauses. Boden und Deckel aus Mürbteig, dazwischen Vanillecreme, Kokosraspeln, Zuckerguss und eine Schokospirale on Top.
Ob die „Freitagssüßigkeit“ den ganzen Heimweg überlebt hat, war zu bezweifeln.

Irgendwann war’s vorbei mit dem Kindergarten – und auch der Vochazer ging in Pension. Das Rezept für die Törtle ist bis heute ein streng gehütetes Geheimnis. Und nun – an einem Freitag etwa dreißig Jahre später – schickt mein Papa mir ein ähnliches Rezept und ich backe sie zum ersten Mal selber.

Yes, ein Moment, in dem ich heute noch gerne schwelge. Und aus vielen Schnipseln lässt sich ein Flickerlteppich weben.

So, das war’s für heute. Ein Törtchen ruft mich und will jetzt definitiv verspeist werden.

Herzliche Grüße
Clara

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